//AUFTRAGGEBER
Stadt Krefeld
//ORT
Krefeld
//NUTZFLÄCHE
1.453 m²
//GRUPPEN
6
//PROJEKTPHASEN
1 - 9
//STATUS
Im Bau
Das Gebäude der Kindertagesstätte an der Bacherhofstr. in Krefeld stammt aus den 1990er Jahren. In den vergangenen Jahren ist der Bedarf an Kita-Plätzen kontinuierlich gestiegen, sodass die vorhandenen räumlichen Kapazitäten der Einrichtung nicht mehr ausreichten, um allen Anforderungen gerecht zu werden.
Zunächst war vorgesehen, die Bestands-Kita zu sanieren und durch einen kleineren Anbau zu ergänzen. Im Rahmen der weiteren Planungen und Bedarfsanalysen zeigte sich jedoch schnell, dass ein solcher Anbau den tatsächlichen Bedarf an zusätzlichen Betreuungsplätzen nicht ausreichend decken würde. Darüber hinaus hätten die bestehenden Gruppenräume trotz Erweiterung nicht in vollem Umfang den aktuellen Kita-Richtlinien und pädagogischen Standards entsprochen. Insbesondere hinsichtlich Raumgrößen, Nebenräumen, Differenzierungsflächen und funktionaler Abläufe wären weiterhin Einschränkungen geblieben.
Aus diesem Grund wurde die Planung grundlegend überarbeitet. Anstelle einer rein punktuellen Erweiterung entschied man sich für eine umfassende Neustrukturierung der Bestands-Kita in Kombination mit einem großzügigen Neubautrakt. Ziel war es, eine zukunftsfähige, moderne und bedarfsgerechte Einrichtung zu schaffen, die sowohl den gesetzlichen Vorgaben als auch den gestiegenen pädagogischen Anforderungen entspricht.
Im Zuge dieser Maßnahme wurde die Kindertagesstätte auf insgesamt sechs Gruppen aufgestockt, um langfristig ausreichend Betreuungsplätze sicherzustellen. Die neuen Gruppen- und Nebenräume wurden gemäß den aktuellen Standards dimensioniert und funktional angeordnet.
Aufgrund des groß angelegten Umbaus ist auch der Eingriff in das Bestandsgebäude sehr groß ausgefallen. Im Zuge der Neustrukturierung wurde das gesamte Dachgeschoss zurückgebaut und durch einen neuen Flachdachbau ersetzt. Durch diese Maßnahme konnte die innere Organisation optimiert und an die heutigen funktionalen sowie technischen Anforderungen angepasst werden.
Der rückwärtig liegende Neubau wird über einen verbindenden Zwischentrakt im Erd- und Obergeschoss erschlossen. Dieser zentrale Verbindungsgang bildet das organisatorische Herzstück der Anlage. Er verknüpft Alt- und Neubau nicht nur funktional, sondern schafft zugleich eine klare Orientierung innerhalb des Gebäudekomplexes. Über einen Aufzug sowie eine großzügig angelegte Treppenanlage werden die beiden Ebenen barrierefrei miteinander verbunden. Damit wird sowohl den Anforderungen an Inklusion als auch an moderne Erschließungskonzepte Rechnung getragen.
Im Bestandsgebäude befinden sich künftig vier Gruppenräume sowie die Räumlichkeiten der Kita-Leitung. Der Neubautrakt nimmt zwei weitere Gruppen, den Mehrzweckraum sowie die Mensa auf. Durch diese klare funktionale Zuordnung entsteht eine ausgewogene Verteilung der Nutzungen, wobei gemeinschaftlich genutzte Bereiche wie Mensa und Mehrzweckraum bewusst im Neubau verortet wurden, um flexible Nutzungsmöglichkeiten und größere Raumzusammenhänge zu ermöglichen.
Gestalterisch bestand die besondere Herausforderung darin, beide Baukörper harmonisch aufeinander abzustimmen und gleichzeitig die Ablesbarkeit von Alt- und Neubau zu bewahren. Der Charakter des Bestandsgebäudes bleibt durch die markanten Pultdächer erhalten, die weiterhin prägend für dessen Erscheinungsbild sind. Sie verleihen dem Altbau eine eigenständige Identität und knüpfen an die Architektursprache der 1990er Jahre an.
Demgegenüber stehen die Neubauten mit klaren, zeitgemäßen Flachdächern, die eine ruhige, horizontale Linienführung erzeugen. Der verbindende Zwischentrakt ist in seiner Höhe bewusst etwas niedriger gehalten, sodass die Trennung der Baukörper subtil betont wird, ohne den Gesamteindruck zu stören. Diese Höhenstaffelung unterstützt die Lesbarkeit der Bauabschnitte und schafft zugleich eine maßstäbliche Gliederung.
Bei der Fassadengestaltung kommen ursprüngliche und natürliche Materialien wie Klinker, Holz und Putz in warmen Erdtönen zum Einsatz. Der Materialmix vermittelt ein freundliches und geborgenes Erscheinungsbild, das dem Charakter einer Kindertagesstätte gerecht wird.
Ein zentrales Gestaltungselement bildet der Fluchtbalkon am Neubau. Dieser ist mit Holz verkleidet und wird bewusst als architektonisches Element inszeniert. Der funktional notwendige Anbau wird dadurch nicht versteckt, sondern gestalterisch integriert und aufgewertet. So verbindet das Projekt technische Anforderungen mit einer klaren architektonischen Haltung und schafft ein stimmiges Gesamtbild aus Alt und Neu.